Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Informationsinfrastrukturen in Deutschland bis 2020

Der Wissenschaftsrat hat in Ergänzung zu den strategischen Vorschlägen in den »Übergreifende[n] Empfehlungen zu Informationsinfrastrukturen« vom Januar 2011 jetzt ein neues, 90-seitiges Papier »Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Informationsinfrastrukturen in Deutschland bis 2020« veröffentlicht. Zu den beschriebenen vier zentralen Aufgabenfeldern gehört auch die nationale Infrastruktur im Bereich Forschungsdaten und Langzeitarchivierung, zu deren Weiterentwicklung eine Reihe von Hinweisen und Empfehlungen ausgesprochen werden.

Interessanterweise sollen sich nicht nur die Datenproduzenten sondern auch die Betreiber von Infrastrukturen dazu verpflichten, identifizierte Fehler in Datensätzen zu korrigieren. Eine solche inhaltliche Qualitätssicherung ist bisher nur in wenigen Ausnahmefällen bzw. nur in sehr gut ausgestatteten Datenzentren wie den WDCs möglich, weil dazu fachwissenschaftlich qualifizierte Datenkuratoren eingestellt werden müssten. Insofern ist dies eine recht weitgehende Empfehlung bzw. Forderung, die angesichts der schwierigen Situation in vielen Fächern nur als zukünftige Wunschlösung verstanden werden kann.

Mit wissenschaftlichen Zeitschriften und Verlagen sollen vermehrt Vereinbarungen getroffen werden, die wechselseitige Verweise zwischen Publikationen und den zugrundeliegenden Daten (auf Basis von DOIs o.ä.) zum Gegenstand haben. Vorbild ist hier Pangaea: Durch eine Kooperation mit Elsevier werden bereits seit längerem auf den Artikelseiten in Science Direct die zugehörigen Datensätze in Pangaea verlinkt.

Das korrekte Zitieren von Forschungsdaten soll darüber hinaus als Norm in die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis aufgenommen werden. Dies dürfte dazu beitragen, die Verlässlichkeit der Daten zu erhöhen.

Es besteht weiterhin kein Konsens zu der Frage, auf welcher organisatorischen Ebene Datenzentren am besten angesiedelt werden sollten. Ob disziplinspezifisch oder disziplinübergreifend, nah am Datenproduzenten oder global/national organisiert bleibt vorerst offen. Es wird lediglich auf die Notwendigkeit zusätzlicher Studien und Pilotprojekte zu diesem Problemfeld verwiesen.

In den Empfehlungen zur Langzeitarchivierung wird die Wissenschaft aufgerufen, verbindliche Entscheidungskriterien für die Auswahl der zu sichernden Bestände zu entwickeln, die auch disziplinübergreifende Nutzungsszenarien berücksichtigen sollen. Es wird zukünftig also noch stärker darauf zu achten sein, dass nicht »wahllos« alle verfügbaren Objekte digitalisiert und archiviert werden.

Auch im Bereich Langzeitarchivierung wird auf die zusätzlich notwendigen Sach- und Personalmittel in Forschungsprojekten hingewiesen, insbesondere um archivierungswürdige Bestände in größerem Maßstab mit standardisierten Metadaten zu versehen. Etwas rätselhaft erscheint mir der Hinweis, dass dabei »darauf zu achten [sei], dass Forschungsdaten, Texte, Audio- und Videodokumente oder ähnliches getrennt von den Metadaten abgespeichert werden«. Dies ist meiner Meinung nach nicht a priori sinnvoll oder gar notwendig.

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